16.02.2007 - Reise und Ankunft in Alicante
Da saß ich nun im Bus und fuhr nach Süden. Wie das so ist,
zumal in meinem ohnehin schon aufgewühlten Zustand, hängt man seinen Gedanken
nach. Neben all den persönlichen Gedanken und Erinnerungen realisierte ich,
dass ich exakt dieses Busreise (sogar mit den identischen Stopps, bis
Barcelona) nicht zum ersten Mal machte, mit dem Unterschied, dass es dieses Mal
meine eigenen Koffer und mein eigenes Leben waren, die im unteren Teil des
Busses sicher verstaut waren und mit mir gen Spanien fuhren. Und … ich hatte
keine Begleitung, ich war alleine! Langsam, ganz langsam aber sicher, so schwer
mir all diese Tatsachen auch auf der Seele lasteten, stellte sich ein gewisser
Stolz bei mir ein. Ich war stolz auf das, was ich da gerade tat! … in ein
fremdes Land umziehen, mit nichts als meinen spärlichen Sprachkenntnissen;
Gepäck, das ich alleine fast unmöglich zu transportieren vermochte (nicht lachen!) und der Aussicht und Hoffnung
auf all das Positive, was da kommen sollte und mein Leben für immer verändern
würde!
Da der Bus nur spärlich besetzt war, war die Fahrt
erträglich. Ich konnte mehr oder weniger bequem auf 2 Sitzen schlafen, wenn ich
denn schlafen konnte. Leider musste ich sehr bald feststellen, dass sich meine
Neigungen bezüglich der Busreisen nicht verändert haben: Ich hasse Bus fahren!
… man wird immer, wenn der Bus hält um 15-Minuten-Pausen zu machen, geweckt und
muss den Bus verlassen. Natürlich ist das immer genau dann, wenn man gerade
eben eine bequeme Schlafstellung gefunden hat … . Natürlich müssen diese
Pausen-Zeitfenster auch für praktische Dinge genutzt werden, wie beispielsweise
das Aufsuchen der Wasch- oder Toilettenräume (und sei es nur vorbeugend, aber
die Toiletten im Bus sind echt eine Zumutung). Jetzt aber genug über die
Unannehmlichkeiten. Nach dem Frühstücksstopp in Girona, wo ich meinen ersten spanischen
Café con leche genießen konnte und
meine spanische Handykarte aufgeladen habe, war Barcelona nicht mehr weit. Wir
rollten schließlich bei strahlendem Sonnenschein im späten Vormittagsverkehr
mitten durch Barcelona um unser Ziel, die Estación
Barcelona-Sants zu erreichen, wo ich den Bus wechseln musste, um weiter
nach Alicante zu fahren. Währenddessen konnte ich den ersten Blick auf das
Mittelmeer erhaschen.
Man muss sich den Busbahnhof in Barcelona so vorstellen: Die
Estación Barcelona-Sants ist
eigentlich ein Bahnhof, relativ groß, mit einer großen Vorhalle in der die
üblichen Geschäfte sind. Der Busbahnhof allerdings liegt nicht etwa direkt an
der Parkplätzen davor, sondern auf der anderen Seite der viel befahrenen
Strasse, die am Bahnhof vorbei führt, zwischen Strasse und einem Wohnblock. Obwohl
sich hier sämtliche Fernreisebusse treffen, um ihre Passagiere in die
Anschlussbusse ins gesamte spanische Festland zu verteilen, ist der
tatsächliche Haltepunkt nicht mehr, als ein leicht erhöhter Gehweg, wo die
Busse unter einer provisorischen, überdachten „Station“ anhalten. Die
„Schalterhalle“ ist eine Wellblechhütte mit ein paar gestressten Angestellten
und das Häuschen zu dem ich musste, um meine Ankunft zu bestätigen und die
Fahrkarte für die Weiterfahrt auszulösen, glich eher einer Imbissbude ;-). Nun
denn, bis zu diesem Punkt der Reise kannte ich das ja alles schon. Nachdem ich
mein Gepäck zu einem stattlichen Turm aufgestapelt hatte, erledigte ich diese
Formalitäten, während eine meiner Mitreisenden das Gepäck bewachte. (zum Glück
klappt das ganz gut und man findet immer jemanden, mit dem man sich zwecks
Gepäckbewachung zusammen tut). Der ultimative Vorteil an dieser kleinen
1-Bahnsteig-Station ist, dass man keine weiten Wege zurücklegen muss, um seine
Unmengen von Gepäck in dem spanischen Bus zu verstauen ;-) . Gesagt, getan …
und dann ging es auch recht bald weiter. Der Rest der Reise war ziemlich
unspektakulär und relaxed, da der Bus wieder relativ leer war und man sich
gemütlich positionieren konnte, um sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu
lassen und zu dösen, o.ä.. Ich muss gestehen, die Strecken durch Spanien im Bus
zurückzulegen ist zwar durchaus lästig, siehe oben, aber auch sehr
eindrucksvoll. Wenn man dann das erste Mal länger am Meer vorbei fährt, an den
ersten Olivenhainen oder Orangenbäumen, an hübschen kleinen Fincas oder
abenteuerlich verwachsenen Kakteen oder einfach nur durch ödes braunes, wildes
Land (von dem es hier sehr viel gibt) … mich überkam regelmäßig ein kleiner
Sturm der Begeisterung, wenn ich daran dachte, Euch berichten zu können: „Da wo
ich jetzt lebe, wachsen die Orangen direkt auf dem Baum und man hat ganz viele
hübsche, duftende Blumen direkt vor der Tür, mit denen unsereiner in der Regel
URLAUB verbindet.“ Auch die Mitreisenden, mit denen ich mich unterhalten hatte,
waren durchaus angetan von der Landschaft und schauten ebenso gespannt wie ich,
dem entgegen was uns erwarten würde, wenn wir aus dem Bus aussteigen. (Hier
habe ich eine kleine Französin kennen gelernt, die als
Erasmus-Austauschstudentin auch hier in Alicante ist).
Den Schildern nach zu urteilen, wusste ich also, dass wir
Alicante nun bald erreichen würden. In mir stieg unweigerlich eine ganze Menge
an gemischten Gefühlen auf, die sich aus Zweifeln und Vorfreude zusammensetzten:
Was ist, wenn mir die Stadt nicht
gefällt, wenn es eine schäbige kleine Touristenburg ist? War die Entscheidung
herzukommen richtig?
… aber auch: Wow,
endlich bin ich da, ein neues Abenteuer beginnt! Mal sehen was mich erwartet,
ist ja ganz hübsch hier im Umland! Jedenfalls ist man hier bemüht, den
Leuten einen netten Eindruck der Stadt zu vermitteln, wenn sie das erste mal
mit dem Bus ankommen, denn man fährt direkt mal an netten Brunnen-Anlagen und
am Hafen vorbei um den Busbahnhof zu erreichen. Ich wusste, dass mein
zukünftiger Vermieter mich abholen würde, allerdings war bis zum verabredeten
Zeitpunkt noch eine gute halbe Stunde Zeit, also habe ich mich mit meinen
Habseligkeiten in die Wartehalle begeben (zugegebener Maßen, … muss lustig
ausgesehen haben, … die kleine Jessi mit den 2 großen Koffern und Zusatzgepäck
… aber es hat geklappt!!!)
Jetzt hatte ich nur noch zwei Gedanken: Hoffentlich klappt
das alles und der Vermieter findet mich problemlos, … wofür aber sicherlich die
Beschreibung von mir und meinem Gepäck eindeutig war … UND:
ICH BIN DA!!!
Das hier ist mein neues Zuhause, der Beginn eines
neuen Lebens, … ein großer Schritt nach vorne den ich ganz alleine gegangen
bin!!! Alicante, mach Dich bereit, jetzt bin ich da und werde Dich im Sturm
erobern!
|