12.02.2007 - ... und weg war sie ...
Es
begab sich aber zu der Zeit ...
... in der ein trauriges Ereignis bevor stand: mein Abschied aus Mannheim!
Nachdem ich über Jahre hinweg, was meine Auslandspläne anging, immer nur
Niederlagen einzustecken hatte, weil alles was ich versucht habe nicht geklappt
hat, ging dann plötzlich alles furchtbar schnell. Am 8. Januar, nachdem ich die
gesamten Feiertage und sogar meinen Skiurlaub hindurch jeden Tag erwartungsvoll
meine e-mails angeschaut habe, hatte ich endlich eine Antwort von der
Professorin des Deutschen Instituts der Universität Alicante in meinem
Postfach. Nach einigen e-mail Wechseln waren wir uns einig und am 17. Januar
stand dann fest, dass ich von Mitte Februar bis Ende Mai ein Praktikum im
spanischen Alicante machen werde. Erst nach den Überlegungen, dass ein paar
Tage zum einleben in einer neuen Stadt in einem neuen Land vielleicht von
Vorteil wären und es sich anbieten würde, bereits Anfang Februar nach Alicante
zu ziehen, habe ich überhaupt realisiert, dass mir nur noch sehr wenige Tage
blieben, um alles vorzubereiten, zu packen, alle notwendigen Dinge zu klären,
usw. .
In diesen Tagen waren meine Gefühle sehr gemischt. Einerseits habe ich mich
gefreut wie ein Schneekönig, weil mein Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt
endlich in Erfüllung gegangen ist. Andererseits hieß es jetzt auch Abschied
nehmen und sich einzugestehen, dass man zwar zurückkommt, es aber nie wieder so
sein wird, wie es war. Es ist eine schwierige Erfahrung, so viele Brücken
hinter sich abzubrechen und sein geregeltes Leben zurückzulassen, an das selbst
ich (wo ich doch immer für ein Abenteuer zu haben bin und immer Fernweh habe)
mich gewöhnt habe und es mochte. Ich habe mal gehört: "Wegen Mannheim ist
man immer zweimal unglücklich! Einmal, wenn man hin muss und einmal, wenn man
wieder weg muss!" Aus meinem geliebten Mannheim wegzugehen (ich mag es
echt, auch wenn das schwer vorstellbar ist) bedeutete mit einem Mal eine sehr
große Veränderung! Ich wusste aber auch, dass es nicht nur Mannheim war, das
ich nach 4 ½ Jahren zurück lassen musste, sondern auch all das was ich damit
verbinde: das Curt-Sandig-Haus, meinen Job im ZEW, all die vertrauten Orte und
Plätze und vor allem EUCH, all die lieben Menschen, die mir so viel
bedeuten.
In dem guten Willen, mich nicht einfach heimlich aus dem Staub zu machen, ohne
nochmal so viele wie möglich von Euch gesehen zu haben, habe ich mich also
entschlossen, ne kleine Abschlussfeier zu machen. Diese "kleine"
Feier war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich hätte nicht gedacht, dass
so viele Leute kommen und mich zusätzlich so viele Grüße erreichen, von all
denen, die leider nicht dabei sein konnten. Als ich dann auch noch beschenkt
wurde, mit einem liebevoll zusammengestellten und mühsam inszenierten Geschenk
und vielen anderen wunderbaren Dingen, war ich endgültig überwältigt.
Ich danke Euch allen dafür!!! Für Geschenke, Grüße, gute Wünsche und vor allem
für Eure Anwesenheit (ob physisch oder nur psychisch), die diese Party zu einem
einmaligen Erlebnis für mich gemacht hat, an dessen wunderbaren Erinnerungen
ich noch lange zehren werde!
... by the way, die
Letzten habe ich gegen 7.45 Uhr am nächsten Morgen liebevoll, aber bestimmt
davon überzeugt, dass die Party nun tatsächlich zu Ende ist ;-) ...
Ja, welch eine Feier ... (von der ich übrigens ein dauerhaftes Andenken an
meiner rechten Augenbraue behalten werden ... *räusper*) ... aber dann war es
auch schon Montag, denn der Sonntag musste außschließlich zur Regeneration
herhalten. Montag und Dienstag musste ich dann nochmal meine Pflicht im ZEW
tun, sonst hätten die armen BA-Studis keine VWL-Vorlesung gehabt. Zusätzlich
kamen dann noch lauter Dinge dazu, die unerwartet viel Zeit erfordert haben,
wie das bekanntlich immer ist, wenn man keine davon hat ... Arztbesuche,
Autopannen, letzte Auszugsorga im CSH, Laptop einrichten, Webcam kaufen,
Gefühlshaushalt irgendwie in den Griff bekommen, ... dazu kamen dann noch die
vielen Treffen mit den ganzen Leuten, die nicht zur Party kommen konnten (sorry
an alle, bei denen es nicht geklappt hat, ich hab einfach nicht alles geschafft
in der kurzen Zeit).
Dann kam der Tag der Tage, Mittwoch, der 31. Januar 2007, der Tag, an dem mich
ein Fernreisebus um 16.45 Uhr von Heidelberg aus in ein neues Leben fahren
sollte. Wie das bei mir eben immer ist, lief an diesem Tag nochmal alles
schief, was schief laufen konnte. Ich hatte in der Nacht nur ca. 2 Stunden geschlafen,
den Rest der Zeit hatte ich mit packen und Zimmer ausräumen verbracht. Aber es
blieb noch so viel zu tun!!! Obwohl theoretisch alles gut durchgeplant war,
bewies mir die Realität mal wieder: "... und erstens kommt es anders ...
und zweitens als man denkt!" Um 13.07 Uhr erreichte mich eine e-mail, die
besagte, dass meine Zimmerzusage für eine WG in guter Innenstadtlage von
Alicante geplatzt war! Bumm! Der Schlag saß! Ich, ohnehin schon ein
Nervenbündel keinesgleichen und im absoluten Zeitstress, sollte also wenige
Stunden später das Land verlassen, mit 2 großen, schweren Koffern, 2
Rücksäcken, einem Laptop und gegrenzten Sprachkenntnissen ... ohne zu wissen,
wo ich in Alicante unterkommen kann, weder für die erste Nacht, noch für die
restlichen 4 Monate. Klar gehen viele Leute ins Hostal und suchen dann erst vor
Ort ne Wohnung, aber auch auf sowas muss man sich einstellen, denn auch das
Hostal muss gebucht sein usw. ... . Um die Situation zu diesem Zeitpunkt zu
beschreiben, reicht ein einziges Wort: PANIK!!! In völliger Verzweiflung, der
ich mich allerdings auf Grund der zahlreichen noch zu erledigenden Dinge nicht
hingeben konnte, habe ich sämtliche "greifbaren" Freunde eingespannt,
um irgendwie alles bis zur Abfahrt meines Busses von "unmöglich zu bewältigen"
in "gerade irgendwie machbar" umzuwandeln. Ich fasse mich
kurz: es hat tatsächlich alles funktioniert. Unglaublicherweise war es mir
gelungen, alle Dinge zu erledigen, die ich noch unbedingt zu erledigen hatte
und war dabei auch nicht bei einem Autounfall umgekommen, den ich vor lauter
Stress durchaus hätte herbeiführen können. Das "Vor-Ort-Team" hatte
es geschafft, mir innerhalb von 2 Stunden eine Zimmerzusage an Land zu ziehen,
die auf den ersten Blick in etwa dem entsprach, was ich mir vorgestellt hatte
und trotz einiger tränenreicher Panikanfälle, dass wir es sicher nicht mehr zum
Bus schaffen können saß ich plötzlich im Auto und packte auf dem Weg nach
Heidelberg noch die letzten Dinge in den Koffern um. Als ich dann mit einem
erstaunlich großen Verabschiedungskommando endlich am Heidelberger Hauptbahnhof
ankam, wo der Bus abfahren sollte, bog dieser auch schon um die Ecke. Die
beiden spanischen Busfahrer waren sehr erfreut, dass ich nur einen Rücksack und
eine Laptoptasche in der Hand hatte und machten bereits Andeutungen, es könne
ja nun direkt weiter gehen ... als von allen Ecken und Seiten meine Begleiter
mit dem tatsächlichen Gepäck angelaufen kamen. Trotz einiger böser Blicke haben
die Busfahrer nach einigem guten Zureden entschieden, sie würden all meine
Gepäckstücke befördern. Dann ging es aber auch direkt los, so dass mir keine
Zeit blieb, um mich auch nur annährend ausreichend von allen zu verabschieden
und mich für die übermenschliche Hilfe an diesem Tag zu bedanken. (An dieser Stelle: noch mal vielen Dank!!! Ohne Euch
hätte ich es nicht geschafft). Mir blieb nur, jeden schnell zu umarmen
und beim einsteigen zu murmeln: "Ich hab Euch lieb, vergesst mich
nicht!" Es folgte ein hastiges Winken durch die getönten Scheiben und mein
Bus rollte der Autobahn entgegen ... und bei mir rollten die Tränen; groß, nass
und haltlos beide Wangen hinunter. Beim nächsten Stopp in Karlsruhe, war dann
nochmal große Telefonsession angesagt, um noch all das zu klären, was man mir
an Erledigungen abgenommen hatte und was noch genauerer Klärung bedurfte, bevor
der Bus nach Frankreich einfährt. Dann war alles erledigt.
... und mein Bus rollte in die Dunkelheit gen Süden ... an Bord eine weinende
Jessi, mit unendlich vielen Gefühlen und Erinnerungen im gedanklichen Gepäck
... auf dem Weg, der alles hinter mir lassen sollte und mich einem neuen Leben
entgegen fahren sollte ...!!!
Vor mir 2500 km, über Barcelona bis nach Alicante. Hinter mir ein Leben, aus
dem ich schmerzlich entwachsen und schließlich entrissen worden war. Um mich
herum einige Mitreisende die mich verwirrt anschauten und versuchten sich einen
Reim aus meinem Verhalten zu machen. Und in meinem Herzen ... viele schöne
Erinnerungen, die ich für immer bewahren werde!
Ich
werde Euch jederzeit in meinem Herzen tragen!
Das war´s! Goodbye altes Leben, willkommen
Zukunft!!!
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